Most wanted – „Potentials gesucht“

Andreas U.

.. nicht phlegmatisch, lieber agil und begabt.

„Ich brauche die Kompetenz inhäusig, und dass bitte schnell“, so das Zitat eines Mandanten, der im Bereich Fabrik-Automation zu Hause ist. Mit dem Satz: „Mir ist es wurscht, ob Mann, Frau oder Divers, Hauptsache qualifiziert und wechselwillig“ appellierte man an meine Kreativität bei der Mitarbeitersuche. So begann eine Zusammenarbeit Anfang des Jahres.
Die Mitarbeitergewinnung ist zunehmend komplexer und vielfältiger geworden. Die Deutsche Bahn hat im Zuge ihrer Digitalisierungsstrategie einige Wohnwagen samt Recruiting-Mannschaft durch die Republik gescheucht um nach acht Wochen 700 neue Mitarbeiter gewonnen zu haben. VW ging indessen stärker „Online“ und lässt Mitarbeiter via Blogs und Instagram anwerben – es fallen Wortkreationen wie „Below the Line-Recruiting“ oder der Klassiker „Employer Branding“ allerorten.

Andere Unternehmen wie ein Teil unserer Mandanten versuchen sich auf Messen, Business-Plattformen, IT-Börsen oder Robotik- und KI-Symposien mit rummelplatzartigen Attraktionen („Work-Shops im Ausland per Glücksrad zu gewinnen“). Jüngst versucht das ein oder andere Unternehmen im Zuge der Klimadebatte mit Nachhaltigkeitsmodellen und der Sensibilität für die Umwelt zu punkten. Die Arbeitgeber zeigen sich wandlungsfähig und erfinderisch um gesuchte Eigenschaften gezielt anzusprechen. Ich fand es 2019 aufregend wie sich traditionelle Unternehmen präsentierten und zunehmend die Scheu für die persönliche Ansprache ablegen.

Dabei ist es heute längst Usus, dass werbende Mitarbeiter Prämien erhalten, Incentives vergeben werden oder die Crew als auch der Interessent mit zusätzlichen Urlaubstagen, ausgewählter Technik, dem familienfreundlichen Arbeitsplatz, einer Wohnung in der Stadt oder Zuschüssen für Miete und Umzug vom Arbeitgeber motiviert werden. Letztlich wird sehr viel unternommen – auch die Schamgrenze in der Ansprache nimmt ab, wenn man die Chance sieht, ein Talent zu gewinnen.
Mit Blick von außen muss ich einigen Unternehmen wirklich Beifall zollen. Es gelingt ihnen, Aufmerksamkeit zu erregen. Ich bin gespannt, denn aufgrund der disruptiven Veränderung werden viele Stellen wegbrechen und bisher unbekannte hinzukommen.

Muss ich mir als Berater nun Gedanken machen. Wird durch die Sättigung auch unsere Branche betroffen sein? Ich denke nicht, denn der professionelle Personalberater wird ein attraktives und aktives Instrument in der Ansprache bleiben, insbesondere wenn es um die Gewinnung und Motivation von Talenten oder Spezialisten geht. Wie bei jedem Produkt wird es auch hier so sein, dass bestimmte Generationen und Zielgruppen, insbesondere die der Führungskräfte und Manager, nicht erreicht werden. Zudem freue ich mich, dass ich als Moderator und neutraler Sparringspartner von wesentlicher Bedeutung und von beiden Seiten geschätzt bin.

Kurzum, ich finde es richtig klasse, wenn sich Unternehmen über neue Recruiting-Kanäle zeitgemäßer aufstellen und damit in Punkto Werbung meine Arbeit essentiell unterstützen. Das motiviert mich und ist ein großer Schritt in die richtige Richtung – bitte weiter so!

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