Lieber Friedrich Merz, bitte werden Sie CDU Parteivorsitzender

Alex R.

Sehr geehrter Herr Merz.

Sorry, aber auch ich finde, Sie sind zu alt. Jedoch nicht als Parteivorsitzender, nur als Kanzler. Wir brauchen einen technologieoffenen, modernen und patriotischen Kanzler mit Mut, Ideen und Weitsicht. Aber, als Vorsitzender der CDU können Sie einen Erneuerungsprozess einleiten, denn Sie lassen sich weder blenden, noch „kaufen“, noch von der Inkompetenz in Ministerialämtern oder vereinzelten Bundestagsabgeordneten provozieren.

Machen Sie eine moderne Politik, setzen Sie Prioritäten, drehen Sie bitte die Spirale zurück! Ich möchte in der aktuellen Situation keinen Einbruch der Wirtschaft erleben. Die in den letzten 10 Jahren neu hinzugekommenen finanziellen Belastungen würden unsere Gesellschaft auf eine harte Probe stellen.

Seit weit über 20 Jahren arbeiten wir für den produzierenden Mittelstand und hören täglich viel Ähnliches unter den Entscheidern. Niemanden verwundert der Aufstieg der AfD nach Philipp Rösler. Der Aufstieg kam jedoch nicht durch die Flüchtlingskrise, sondern durch Eurorettung, Bankenrettung, Dieseldesaster, Griechenlandrettung uvm. Eine so große Umverteilung an die, die es verbockt haben, versteht kein Bürger. Der Wähler ist nicht dumm. Wenn lt. EZB/Spiegel das Griechenlandvermögen rund doppelt so hoch ist als in Deutschland, mutet es schon eigenartig an, dass der Schwächere den vermeintlich Stärkeren retten muss. Allerdings erhielt die AfD durch Frau Merkels „Wir schaffen das“ einen solchen Schub, dass ich annehme, die AfD hat nun einen festen Platz im Parteigefüge.

Uns geht es gut sagen viele Politiker der SPD, der Grünen und der Linken sowieso. Es würde boomen (noch). Kaum ein Politiker aber kann mir erklären, warum!

Ich finde, wir täuschen uns, wenn wir denken, die Umverteilungs- und Ausgabenpolitik könne so weiter gehen. Wir sind nur so gut, wegen Gerhard Schröders mutiger Politik, der historisch tiefsten Zinsen, dem schwachen Wechselkurs, der Lohnzurückhaltung und bis gestern, der Weltkonjunktur.

Die SPD, die Arbeiterpartei, bestimmt seit Merkel die Politik. Sie ist seit 20 Jahren an der Macht und lamentiert dennoch. Sie ist müde vor lauter Umverteilung, Rentenproblematik, komplizierten Gesetzen (TeilhabechancenG, QualifizierungschancenG, Rentenversicherungs-Leistungsverbesserungs-StabilisierungsG um nur einige zu nennen). Sie hat keine Kraft, keine Leidenschaft mehr, keinen Plan – sie braucht einen neuen Feind: Sie!

Ihre beste Zeit hatte die SPD unter Schröder. Aber seine Agenda 2010 wurde 2003 geschrieben, vor 15 Jahren. Seitdem hat die Politik – die CDU Politik unter Angela Merkel – viel geschafft: Lehrermangel, Bildungsnot, Euro-, Banken- und Griechenlandrettung, Digitalisierungsnot, Infrastrukturnot, Dieseldesaster, Funklöcher, Bahn-Schrecken, Zinsverfall, Bürokratiezuwachs usw (ich finde kein Ende). Für mich am schlimmsten – sie hat den Ausverkauf deutscher Hochtechnologie zugelassen (wie KUKA, Transrapid etc) und durch die Brüskierung der europäischen Kollegen durch Frau Merkel das gemeinsame Europa geschwächt. Mit ihrem Alleingang in der Flüchtlingskrise hat sie den Brexit zu verantworten. Ich bin sicher, ohne diese unkontrollierte Flut wäre die Abstimmung in England anders verlaufen.

Seit 2005 gab es keine Reformen mehr. Der Konsum wurde gefördert, jedoch ist die Euro- und Finanzkrise lange nicht gelöst, sondern nur mit Schulden bedeckt. Was die Politik der Bevölkerung verschweigt, sind die bereits zunehmenden Forderungsausfälle.

Schlimm genug, aber: andere Länder haben mit ihren Schulden, d.h. dem Geld der EZB, wenigstens Infrastruktur aufgebaut. Ich ärgere mich maßlos, wenn Spanien das modernste Glasfasernetz hat und wir im Aufbau der Infrastruktur für die Digitalisierung inzwischen ein ganzes Jahrzehnt zurück liegen.

Trump hat Recht, unser Handelsüberschuss ist viel zu groß. Und China ist extrem protektionistisch. Trump ändert das gerade, wir nicht – wir geben unsere Hochtechnologie preis – dabei basiert Chinas Wachstum nur auf Schulden – korrigieren Sie mich: werden Hochtechnologie-Firmen gar mit Schulden gekauft?

Der Euro in der aktuellen Form ist ein Problem für Europa und dank Brexit noch mehr für uns. Das Ventil Wechselkurs fehlt. Wenn die Engländer nun austreten fehlt uns zudem ein liberaler Partner. Ganz nebenbei auch ein großer Markt.

Was wir tun können, in Stichworten:

  • Politisch: Staatsschulden bereinigen, Banken sanieren, den Euroraum neu organisieren und definieren. Negativzinsen sind er Anfang vom Ende der deutschen Vorsorge.
  • Wirtschaftlich: Energiekosten, Bürokratie, Steuerhöhe, -Komplexität und -Gerechtigkeit, Infrastruktur, Digitalisierung, Willkür (staatliche + rechtliche) reduzieren!
  • In eigener Sache: den Parteivorsitz gewinnen, einen Kanzler für die Zukunft Deutschlands und Europas aufbauen!

Kurzum, wir sollten nicht auf die eigene Ignoranz der o.g. Probleme noch stolz sein! Es gibt also viel für Sie zu tun, packen Sie es an. Ich wünsche Ihnen alles Gute und viel Erfolg im Dezember!

Herzlichst, Ihr Alexander Reiter

1 Kommentar

  • Chapeau liebe Frau Annegret Kramp-Karrenbauer. Herzlichen Glückwunsch – auch an Sie, Herr Merz für den äußerst knappen Wahlausgang. In den vergangenen Wochen haben Sie der Wahl zum CDU Vorsitzenden echtes Leben eingehaucht – und Sie haben AKK zu hoffentlich ehrlichen Statements bewegt, die, wenn Sie, Frau Kramp-Karrenbauer, das Gesagte dann auch wahrmachen, einen deutlichen Unterschied zu den vergangen 5-10 Jahren machen werden. Einzig die kommenden zwei Jahre machen mir noch Sorgen, denn Frau Merkel wird nun wahrscheinlich zwei Jahre Zeit haben, Missstände anzuprangern und gute Ratschläge zu geben, die sie selbst hätte in den vergangenen 3 Legislaturperioden „richtig“ und „gut“ hätte anpacken und umsetzen können.

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