Festanstellung oder Selbstständigkeit als Freiberufler

Katja Westrich

Festanstellung oder Selbstständigkeit als Freiberufler – diese Frage stellen sich immer mehr Studienabgänger und Spezialisten, vor allem aus der IT Branche, aber auch aus besonders nachgefragten Ingenieursfeldern. Zunächst einmal klingt die Option der freiberuflichen Tätigkeit verlockend, aber ist es wirklich Gold, was da glänzt?

In kaum einer Branche kann man so gut als Freelancer arbeiten wie im IT-Bereich. Das mögliche Gehalt wirkt auf den ersten Blick astronomisch. Es kommen jedoch auch enorme zeitliche und auch finanzielle Belastungen auf einen zu, die man zunächst häufig nicht im Blick hat.

Als Angestellter hat man zwar weniger Freiheiten, dafür aber ein geregeltes Einkommen und vor allem Sicherheit. Als Freiberufler hingegen erledigt man seine Arbeiten in der Regel nach eigenem Ermessen, ist aber natürlich für die Ergebnisse verantwortlich. Die Ziele müssen erreicht werden, das „WIE“ ist dabei jedoch einem selbst überlassen. Man arbeitet für verschiedene Auftraggeber – oftmals parallel – entweder auf Stundenlohnbasis oder projektbasiert mit einem leistungsorientierten Entgelt.

Da die meisten Konzerne mittlerweile häufig und gerne mit Freiberuflern im Rahmen von Projekten zusammenarbeiten, werden in der Regel die Verträge über eine Zusammenarbeit nicht mehr mit der Einzelperson direkt geschlossen, sondern „der Einfachheit“ halber, Rahmenverträge mit großen Freelance-Agenturen geschlossen, die sich auf die Vermittlung von Freiberuflern spezialisiert haben. Im Prinzip ist man dann zwar weiterhin sein eigener Unternehmer mit vielen Pflichten (wie einer ordnungsgemäßen Buchhaltung, einer selbst organisierten Altersvorsorge und einer aufwendigen Steuererklärung), befindet sich aber gleichzeitig in einem großen Wettbewerbspool – und hier kommen wir zum entscheidenden Punkt: Wann wird das Angebot der rasant wachsenden Masse an Freelance-Agenturen, Zeitarbeitsfirmen sowie Personalvermittlern (und den damit verbundenen Arbeitskräften) die Nachfrage aus der Industrie übersteigen?

Im Jahre 2014 arbeiteten in Deutschland ca. 27.000 Mitarbeiter als Personalvermittler, darin enthalten waren etwa 5.400 Personalberater, hinzu kamen weitere 35.000 Mitarbeiter in der Arbeitnehmerüberlassung, einer Kombination aus Zeitarbeit/Personalleasing und Arbeitnehmervermittlung. Bis 2018 wuchs die Zahl der Verleihbetriebe (ANÜ) auf knapp 12.000 plus weitere fast 40.000 Vermittler, deren Angebote oft ebenfalls die Leiharbeit beinhaltet. Gemeinsam verleihen diese knapp 1. Millionen Leiharbeitnehmer bei leicht sinkender Tendenz. Die Anzahl der Personalberatungen blieb mit ca. 2.000 gleich, die Anzahl der Personalberater jedoch wuchs auf knapp 7.000 bei ca. 14.000 Mitarbeitern in dieser Dienstleistung der Personalbeschaffung.

Seit der Festlegung der maximalen Haltedauer von 18 Monaten im Jahre 2017 überschneiden sich die Leistungen in der Personalbeschaffung noch mehr. Waren die Angebote der Personaldienstleister in der Arbeitnehmerüberlassung ANÜ und die Personalvermittlung nur teilweise identisch, so kommt nun noch die Vermittlung der Projekt-, Werk- und Zeitverträge, d.h. die von Freelancern inkl. Interimsmanagern hinzu. Der Anteil der vermittelten „Selbstständigen“ wächst wegen des Wunsches nach Selbstbestimmung und Freiheit im Home-Office aktuell rasant – mit ungewissem Ausgang.

Der sich verändernde Arbeitsmarkt unterliegt zunehmend einer maximalen Flexibilität, der sich die Arbeit und Anstellungsverhältnisse anpassen. Ob die Arbeitsmodelle, hin zu einem autonomen und selbstbestimmten Arbeiten, auch langfristig positive Auswirkungen für die Arbeitnehmer mitbringen, ist offen. Vielen jüngeren Spezialisten ist noch nicht bewusst, wie austauschbar einerseits ihre Angebote werden, ebenso wie unsicher und zeitaufwändig die Zukunft im Angesicht eigener Akquise, Projektabwicklung und Steuererklärung für sie werden kann.

Die konkurrierenden Fahrer von Uber lassen grüßen …

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