Abenteuer Familienteilzeit – eine Bewerberin berichtet

Sabrina P.

Kürzlich unterhielt ich mich mit einer Bewerberin, die nach der Geburt ihres Kindes einen beruflichen Wiedereinstieg suchte.

Häufig geht mit einem Wiedereinstieg der Wunsch nach flexibler Arbeitszeit einher. Insbesondere nach der Elternzeit oder bei der Pflege eines Angehörigen lassen sich dann Familie und Kinder leichter in Einklang bringen. Gerade neue Technologien machen es heutzutage qualifizierten Mitarbeitern leichter, von unterschiedlichen Orten aus zu arbeiten. Der Zugriff auf Firmendaten ist über das Internet von überall auf der Welt möglich. Also könnte doch alles ganz einfach sein oder?

Der deutsche Gesetzgeber bietet sowohl Männer als auch Frauen durch das Teilzeit- und Befristungsgesetz die Möglichkeit, ihre Arbeitszeiten flexibel zu gestalten. Oft werden sie aufgrund der fehlenden Kinderbetreuung jedoch mit Zeiten von 8 bis 12 Uhr gleichgesetzt. Gesetzlich gibt es jedoch viele weitere Formen der Regelung von flexiblem Arbeiten. Von wochen- oder tageweisen Einsätzen bis hin zu Wechseln zwischen Vor- und Nachmittagen. Theoretisch ist alles möglich – aber auch nur theoretisch.

In der Praxis jedoch zählt in deutschen Unternehmen, anders als in anderen Ländern, vor allem die Anwesenheit. Wer also Karriere machen will, muss Präsenz zeigen und wer in eine Führungsposition auf Teilzeit gehen möchte, spürt deutliche Ausgrenzung und Widerstand. Noch schwerer aber ist es, nach einer Auszeit in die alte Position zurückzukehren. Deutsche Unternehmen tun sich schwer mit dem Wiedereinstieg. Rund 40% der Führungskräfte verlieren nach einer Karrierepause einen Teil ihrer Verantwortung und müssen zudem Gehaltseinbußen hinnehmen.

Was wäre es denn, wenn beide Elternteile ihre Stunden reduzieren, um genügend Zeit für die Kinder zu haben? Um sich den Haushalt zu gleichen Stücken aufzuteilen? Laut dem Familienministerium wollen 60% der Paare zu Beginn der Schwangerschaft zu gleichen Teilen arbeiten und das Kind versorgen. Leider gelingt es tatsächlich nur 14% der Eltern, die Arbeit und die Kindererziehung zu teilen. Im Kreissaal werden dann die meisten ins alte Rollenbild zurückgeworfen und die guten Vorsätze verschwinden schnell. Dennoch nimmt die Teilzeitarbeit zu: Die Zahl der Erwerbstätigen, die weniger als 35 Stunden pro Woche arbeiten, wächst. Auch die Zahl der teilzeitbeschäftigten Männer steigt, jedoch liegt die Teilzeitarbeit unverändert in Frauenhand. 2018 arbeiteten lediglich 11,2% der beschäftigten Männer in Teilzeit.

Wie dem auch sei, Teilzeit ist eben nicht gleich Teilzeit. Und wer Karriere machen möchte, muss darauf leider in den meisten Fällen verzichten können. Noch leben wir in einer Welt, in der sich das Leben an die Arbeitszeit anpassen muss und nicht umgekehrt. Meiner Meinung nach sollte aber zukünftig ein Umdenken stattfinden, da sich gerade junge ambitionierte Arbeitnehmer mehr Freiräume und Flexibilität wünschen. Als guter Arbeitgeber ist es also wichtig, sich mit diesen Wünschen und Entwicklungen auseinander zu setzen und sich dem Thema Teilzeit nicht zu verschließen.

Herzliche Grüße,
Sabrina Pietsch

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code